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Marburg |
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Kinder in Mostar: Ihr Alltag ist vom
Krieg geprägt (linkes Bild). An dem Tanz- und Theaterprojekt der
Gruppe aus Marburg nahmen sie voll Begeisterung teil. Das rechte Bild zeigt Anette Zinser (links) und Barbara Hipp, Gründungsmitglieder des Vereins "Recht auf Kindheit". |
| Freude am Spielen holt ein Stück verlorene Kindheit zurück | ||||||
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Marburger Verein hilft Menschen in Flüchtlings- lagern mit Tanz und Theater |
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Marburg. Tanz und
Theater als Balsam
für vom Krieg geschundene Kinder
Junge Leute aus Marburg arbeiten in
Flüchtlingslagern in
Bosnien und Kroatien.
VON BRIGITTE BOHNKE
Ein Platz mitten in Mostar,
umgeben von zerstörten Häusern.
Ein Seil, gespannt zwischen zwei Lastwagen und
behängt mit einer Plane, zieht
die Aufmerksamkeit auf sich.
Provisorium für eine Bühne,
umlagert von gut 600 Zuschauern.
Einige sitzen auf
Brettern, durch untergeschobene
Steine zu Bänken gemacht,
andere stehen. Keiner
will die Aufführung der rund
80 Kinder und Jugendlichen
versäumen. Sie haben eine
Woche lang probiert und geübt.
Nun zeigen sie, was sie
können.
"Die Resonanz war überwältigend, auch unter den Kindern. Ihre Begeisterung war regelrecht zu spüren", erzählt Barbara Hipp. "Da kam soviel Liebe zurück, das läßt sich mit Worten kaum ausdrücken." |
Barbara Hipp studiert in
Marburg Sport, Deutsch und
Geographie, möchte Lehrerin
an einem Gymnasium werden.
Die Semesterferien nutzt
sie seit vergangenem Jahr,
um Flüchtlingslagern in
Kratien und Bosnien mit
Kindern Tanz- und Theaterprojekte einzustudieren.
Den Anstoß dazu gab mittelbar eine Tanzveranstaltung
der Uni-Sportgruppe. Kim
Randfall, der von England aus
Hilfstransporte nach Bosnien
organisierte, meinte, daß "so
etwas" Menschen in den
Flüchtlingslagern helfen
könne. Sie seien zwar oft nur
mit dem nötigsten versorgt,
mit geistigen Anregungen
aber kaum.
"Was für eine verrückte Idee", erinnert sich Anette Zinser, Grundschullehrerin und zur Zeit beurlaubt, an ihre Reaktion damals. Doch Anfang 1994 fuhr sie nach Bosnien und schaute sich drei Wochen lang in Flüchtlingslagern um. Zurück in Marburg, sprach sie einige Freunde an. Als sie begeistert reagierten, "da war die Sache perfekt". Barbara Hipp, Anette Zinser, Kim Randall und der Sporttherapeut Dirk Breuer |
gründeten den Verein "Recht
auf Kindheit", seit Juli 1994
organisatorischer Rahmen für
die gemeinnützige Arbeit in
den Lagern und in Mostar.
Zentraler Gedanke der Arbeit sei, so Barbara Hipp, "Kindern nicht nur positive Bilder vorzusetzen, sondern sie selbst erleben zu lassen, daß sie kreativ sind und aus eigener Kraft etwas schaffen." "Zirkus", "Nacht im Geisterschloß", "TV-Show" und "Die Reise zu Vernunft" lauten die Programme, die die Frauen mit den Kindern und Jugendlichen umsetzen. dazu gehört Tanz, Bewegung, Akrobatik, aber auch die Erfahrung, daß ohne zusammenarbeit und das Einhalten von Spielregeln keine Aufführung zustande kommt. In der Regel arbeiten und leben die Frauen sieben Tage in einem lager. Die Kinder zu motivieren, sei kein Problem. Und die Skepsis der Erwachsenen lege sich mei stens, "wenn wir erklären, was wir vorhaben", so Barbara Hipp. Und immer setze eine öffentliche Aufführung den "krönenden" Schlußpunkt. Spenden sowie eigene Ersparnisse |
sind bisher der einzige finanzielle Rückhalt der
Gruppe. Die Mitglieder hoffen, daß die Hilfe von außen
größer wird. Außerdem suchen sie Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter mit künstlerischen Talenten und einem
"Draht" zu Kindern. "Es gibt
soviel zu tun", sagt Anette
Zinser.
In Mostar, dessen Wiederaufbau auch ein Modell für ein Zusammenleben nach dem Krieg sein soll, möchte eine englische Hilfsorganisation eine Grundschule zu einem Therapiezentrum mit Tanz und Theater ausbauen. Der Marburger Verein ist eingeladen, mitzumachen. Ihre Arbeit in Mostar, dieses Mal nicht in einem Flüchtlingslager, sondern mitten in der Stadt vorgeführt, hat sie bekannt gemacht. Speziell mit Kindern zu arbeiten, sie anzuregen, aktiv und kreativ zu sein, solche Angebote seien neu, aber genauso wichtig wie Hilfstransporte, betont Anette Zinser. Mitte Mai fährt sie wieder nach Bosnien. Information: Barbara Hipp, Telefon 06421/161519. |
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