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Sonntagszeit |
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Kriegsfolgen
Kinder aus dem Kosovo spielen friedliche Welt |
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Ein Marburger Verein
versucht mit Tanz und
Theater, traumatisierten
Kindern in und aus Ex-Jugoslawien
ein kleines Stück heilen Alltag
zurückzubringen.
Für ein paar Minuten kann Anel die Kriegsbilder vergessen. In einer blauen Glitzerjacke, mit Zylinder und aufgemaltem Schnurrbart steht der VON JULIA RANNIKO
Zehnjährige mitten auf der
improvisierten Bühne und strahlt.
Was bei allen Probenschiefgegangen
war, klappt bei der Aufführung
wie am Schnürchen: ein ganzes
Bündel bunter Tücher zaubert
er aus einer leeren Rolle.
Im Fernsehen sieht man während des Krieges nur ausgemergelte Kindergesichter, wir sehen auch glückliche sagt Anette Zinser (33). Seit fünf Jahren ist die Marburger Grundschullehrerin mit ihrem Verein "Children on stage" (Kinder auf die Bühne) in den Kriegsgebieten des ehemaligen Jugoslawien und nun auch des Kosovo unterwegs. Mit Tanz, Theater und Akrobatik versucht sie, den von Flucht und Vertreibung traumatisierten Kindern und Jugendlichen ein Stück schöner Kindheit zu ermöglichen. Daß die Arbeit des Vereins meist mit einem Stirnrunzeln quittiert wird, daran hat sich Anette Zinser längst gewöhnt. Eigentlich verstehen nur ältere Leute, warum wir in Kriegsgebieten fahren, um dort zu tanzen und spielen. Denn die hätten selbst erlebt, daß im Krieg alle Angebote für Kinder brachliegen. |
Ob in Flüchtlingslagern,
Waisenhäusern oder zerstörten Dörfern
und Städten: Wie ein Lauffeuer verbreite
sich die Nachricht, daß der Kleinbus
mit Schminke, Kostümen und Spielsachen
angekommen ist.
Für die Köpfe Nur mit Lebensmitteln und Kleidung das Leid der Menschen zu lindern, ist Zinser nicht genug. Wir wollen was für ihre Köpfe tun. Die meist viewöchigen Projekte sieht die Lehrerin als willkommen Abwechslung für die Sechs- bis 18jährigen - aber keinesfalls als Therapie. "Wir würden nie an den Kindern rumdoktern." Verändern möchte der Verein dagegen die Erziehungsmethoden im ehemaligen Jugoslawien: Eine Lehrerfortbildung im ostslawonischen Vukovar soll erreichen, daß es im Unterricht "nicht nur ums Kräftemessen geht." Direkt vor der eigenen Haustür war der Verein mit seinen 13 Mitgliedern in den vergangenen Wochen aktiv. In der hessischen Erstaufnahmeeinrichtung f Flüchtlinge in Gießen haben sie mit den frisch eingetroffenen Kindern aus dem Kosovo Tänze, Akrobatik und Pantomime geübt und abends vor den Eltern aufgeführt. Angebote reichen nicht Daß die eher verschlossenen Kinder nach der Vorführung schier übersprudelten, hat Pfarrer Matthias Leschhorn, den Beauftragten für Flüchtlingsarbeit im Dekanat Gießen, beeindruckt. |
Aber: Alle Angebote,
die Kinder ablenken, bringen
viel - aber sie reichen nicht
aus, sagt Trin Haland-Wirth.
Die Gießener Familientherapeutin
bietet den Kosovo-Kindern
in der Erstaufnahmeeinrichtung
Maltherapie an. Um später einmal
ohne Angst oder Wut leben zu
können, müßten die Kinder über
ihre Traurigkeit reden.
Viele Eltern machten die Kriegserlebnisse aber
zum Tabu: Sie glaubten, daß
sich der Schrecken schon irgendwie
auswachsen werde, sofern sie nur nicht daran rührten.
Und die Väter und Mütter, die ihren Kindern eigentlich helfen müßten, versänken im eigenen Schmerz. Gerade weil viele Eltern lethargisch und depressiv werden, ist die Arbeit von, Children on Stage für die Kinder so ein Lichtblick, sagt Kristina Bulling von der Stiftung Die Schwelle in Bremen, in dem Verein neben privaten Spendern finanziell unter die Arme greift. Etwa 1000 Mark kostet laut Zinser eine Projektwoche ehrenamtliche Mitarbeiter, Spielsachen und einen Haufen Schwierigkeiten inklusive. Denn die Sprache sei nicht gerade ein Kinderspiel, plötzliche Stromausfälle bei den Vorführungen und dei große Bevormundung der Mitarbeiterinnen tauchten als weitere Probleme auf. Manche Familienväter wollen uns unter ihre Fittiche nehmen. Die Risiken, im Kriegsgebiet verletzt zu werden oder in Marburg einen Autounfall zu haben, schert Zinser dagegen über einen Kamm: Beides ist recht gefährlich.
(dpa)
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