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Schminkaktion mit Kindern aus dem Kosovo im Gießener Erstaufnahme-
lager Rivers Barracks Foto:privat
"Children on stage"
Im April spielten sie mit den Kosovo- Flüchtlingskindern in den Gießener Rivers-Barracks. Im Herbst herbst geht's in ein flüchtlingslager in Albanien. Der Marburger Verein "Children on stage" betreut seit fünf Jahren Kinder und Jugendliche aus Kriegsgbieten Ex-Jugoslawiens.

Tanz, Theater und Akrobatik für Kinder und Jugendliche. Das klingt nicht eben nach effektiver Flüchtlingshilfe. Ein Einwand, den Anette Zinser verhement zurueckweisen würde. Seit fünf Jahren ist die Marburger Grundschullehrerin mit dem Verein "Children on stage" in den vom Krieg zerstörten Gebieten des ehemaligen Jugoslawien unterwegs.

In Flüchtlingslagern, Waisenhäusern und stark zerstörten Dörfern und Städten in Bosnien und Kroatien versuchen die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Projekts mit Tanz, Theater und Spielen den von Krieg und Flucht traumalisierten Kindern und Jugendlichen ein Stück unbeschwerter Kindheit zurückzugeben.

Damit setzte der Verein gerade dort an, wo die Hilfeleistungen anderer Organisationen enden, erläutert Zinser.

Denn nachdem die materielle Versorgung der Flüchtlinge und Kriegsopfer gesichert ist, bleibe die emotionale Entwicklung vor allem der Kinder und Jugendlichen häufig unbeachtet: Vertrauensverlust, mangelndes soziales Verhalten, Intoleranz und Verrohrung beobachten Zinser und ihre Kollegen. Und selbst bei den Jüngsten zeige sich schon die tiefverwurzelte Feindschaft zwischen Kroaten, Serben und Muslimen, die die Marburger Pädagogen im gemeinsamen Theaterspiel aufzubrechen versuchen.

Lag der Schwerpunkt der Arbeit von "Children on stage" im vergangenen Jahr im kroatischen Ostslawonien, wo nach wie vor Serben und Kroaten zusammenleben, so hat der Verein für die nächsten Monate bereits Einsätze im nordalbanischen Flüchtlingslager Shkoder geplant. Dort werden derzeit die von Milosevics Milizen vertriebenen Kosovo-Flüchtlinge betreut. Im April konnten die Pädagogen ihre Arbeit direkt vor der eigenen Haustür aufnehmen:

Im hessischen Erstaufnahmelager, den Gießener Rivers-Barracks, haben sie zwei Tage lang Aktionen für die frisch eingetroffenen Flüchtlingskinder aus dem Kosovo angeboten. Wut und Resignation angesichts der jüngsten Mordtaten und Vertreibungen im Kosovo? Anette Zinser und iher Mitarbeiterin Bianca Fasel halten sich mit politischen Bewertungen auffällig zurück. Gilt es doch Neutralität zu wahre.
 
"Die Zugehörigkeit zu einer bestimmten ethnischen Gruppe ist für uns kein Kriterium, wir möchten mit allen Kindern arbeiten", erklärt Zinser. Schon jetzt fürchtet sie um das weitere Engage ment des Vereins in Ostslawonien, könnten die Deutschen nach den Nato-Luftangriffen doch als feindliche Ausländer angesehen werden.

Aufgrund ihrer Erfahrungen während des Bosnien-Krieges sieht Zinser jedoch die Notwendigkeit, "Milosevic in seine Schranken zu verweusen". Für Zinser und Fasel jedoch kein Hinderungsgrund, gegebenenfalls auch nach Belgrad zu gehen, um serbische Kinder zu betreuen, die unter den Nato-Bombardements leiden. "Kinder sind im Krieg im die Opfer", so Zinser, "egal ob ihre Väter nun zu den Vergressoren gehören oder zu den Verfolgten."



Stagemanagerinnen Bianca Fasel (l.) und Anette Zinser Foto:Girgert
Die Arbeit des Vereins endet nicht, wenn ein Krieg zu Ende geht. Deshalb sind die Mitarbeiter in diesem Sommer nicht nur im bosnischen Tuzla aktiv. Im ostslawonischen Vukovar steht erstmals eine Lehrerfortbildung an, denn zur langfristigen Friedensarbeit gehört für Zinser auch, "Impulse für eine Veränderung der Erziehungsstrukturen zu geben", die Autoritätshörigkeit und Haß fördern.
Werner Girgert


Für seine Verein sucht der Verein
einen Kleinbus oder Transporter.
Kontakt: "Children on stage",
Tel.: 06421/44116,

Spendenkonto:
Marburger Bank,
BLZ 53390000,
Konto-Nr. 71068