Marburg
 
In Split, auf unserer Grafik zu sehen, hat der Verein "Rechte auf Kindheit" sein Quartier. Brigitte Milard und Milijana Josipovic (rechts)arbeiteten in einer Schule in Tuzla mit Flüchtlingskindern.
Grafik: Wolfgang Lehmkühler/Privatfoto
Als Clown und Feuerspucker vergessen Kinder den Krieg
Hilfsprojekt des Marburger Vereins "Recht auf Kindheit" für Flüchtlingslager in Bosnien
Marburg. Das Mitmach-Programm für Kinder in Flüchtlingslagern hat sich bewährt. Der Marburger Verein "Recht auf Kindheit" arbeitet in Kroatien und Bosnien.

VON BRIGITTE BOHNKE
Seit Mai gibt es den Verein "Recht auf Kindheit". Studierende der Phillips-Universität sowie die beurlaubte Lehrerin Anette Zinser haben seitdem in mehreren Flüchtlingslagern in Kroatien und Bosnien mit Kindern Theater gespielt, getanzt und gesungen und mit einem "Mitmach Zirkus" für Unterhaltung und Abwechslung gesorgt. Auch jetzt nach dem Friedensschluß gebe es in Kroatien und Bosnien viel zu tun, sagt Anette Zinser.

Sie war gemeinsam mit Milijana Josipovic und Brigitte Milard noch vor einigen Wochen in der Nähe von Tuzla. Anlaufstelle für die Marburger war eine Schule in einem Vorort von Tuzla mit
 
etwa 1500 Schülern. "Gut 1400 davon waren Flüchtlingskinder", berichtet Milijana Josipovic.

Kinder und Jugendlichen zwischen 3 und 17 Jahren haben sich an den Aktionen des Vereins "Recht auf Kindheit" beteiligt. Die jüngeren kamen aus einem Kindergarten der Organisation Red Barnet".

Zum Abschluß eine
Aufführung vor Publikum

Trainiert und geübt wurde jeden Tag von 13 bis 18 Uhr. Manchmal seien die jungen Leute auch frustiert gewesen, etwa, wenn sie beim Rumba oder den Schritten zur Techno-Musik immer wieder Fehler gemacht hätten, schreibt Milijana Josipovic in ihrem Bericht über diese Aktion. "Aber bei der Aufführung vor Publikum hat alles prima geklappt."

Daß die Arbeit des Vereins als willkommene Abwechslung gesehen und angenommen wird, "das haben wir eigentlich
 
von Anfang an erlebt, erzählt Anette Zinser. In dieser Art kümmert sich sonst niemand um die jungen Leute.

Und so wird Recht auf Kindheit weiterhin mit einem klapprigen Bus- "wir brauchen unbedingt einen anderen", betont Anette Zinser -Akrobatik, Zirkus, Märchenstücke, Zauberer, Clowns und Feuerspucker in die Flüchtlingslager bringen. Für das notwendige Geld sorgt seit einiger Zeit die Stiftung "Schwelle" in Bremen.

Ende August werden die Pädagogikstudentin Diana Wiesotzke aus Marburg und Ulrike Unterstaller aus München in ein Lager in Kroatien fahren.

"Etwa 4500 Menschen sind dort untergebracht, vorwiegend bosnische Moslems", sagt Anette Zinser. Viele Kinder seien durch die Erlebnisse des Krieges zutiefst seelisch erschuuml;tter.

Das Lager selbst befinde ich auf einem ehemaligen Militärgelälende und sei umzäunt von Stacheldraht.
 
"Es gibt Wachtürme und eine Schranke für alle, die hinein und hinaus wollen."

Stützpunkt des Vereins
befindet sich in Split

Das Kroatische Rote Kreuz, der Orden "Kleine Schwestern Jesu" und eine Hilfsorganisation aus Norwegen seien in dem Lager vertreten, so Anette Zinser. "Für unsere Leute wichtige Ansprechpartner."

Die Kontakte im Land selbst sowie zu den großen Hilfsorganisationen hält nach wie vor Kim Randall von Split aus. Diese Basis habe sich sehr bewährt, sagt Anette Zinser.

Am Anfang habe wohl niemand gedacht, "daß wir so lange vor Ort arbeiten werden", faßt die Lehrerin zusammen. "Aber wir merken bei jedem Aufenthalt, wie notwendig unsere Art der Hilfe gebraucht wird."

Information:
Verein
"Recht auf Kindheit",
Anette Zinser,
Telefon 06421/44116.