|
Marburg |
| Marburger bringen Hoffnung in die geteilte Stadt Mostar |
| Theaterprojekte und Mitmach-Aktionen als Angebote für Kinder in Flüchtlingslagern |
|
Marburg. Ablenkung
für Kinder und Jugendliche,
deren Alltag vom Krieg bestimmt ist.
Der Verein "Recht auf Kindheit"
hilft in und um Mostar mit Theaterprojekten.
VON BRIGITTE BOHNKE Im Juli vergangenen Jahres hat sich in Marburg der Verein "Recht auf Kindheit" gegründet und damit den arganisatorischen Rahmen für eine gemeinnützige Arbeit geschaffen, die sich in Flüchtlingslagern im ehemaligen Jugoslawien vollzieht. Die Studentin Barbara Hipp und die Grundschullehrerin Anette Zinser, zur Zeit beurlaubt, gehören zu den Gründungsmitgliedern. Mit Mitmach-Programmen wie "Zirkus", "Nacht im Geisterschloß", "Die Reise zur Vernunft" haben sie in den vergangenen Monaten in vielen Flüchtlingslagern entlang der kroatischen Küste und in Mostar selbst mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen gearbeitet. (Die OP berichtete). Anette Zinser ist seit einigen Tagen wieder in Mostar. Ihr Brief an die Leserredaktion gibt einen Eindruck von der Situation vor Ort. |
![]() In Flüchtlingslagern im ehemaligen Jugoslawien versucht der Marburger Verein "Recht auf Kindheit", Kinder und Jugendliche vom Kriegsalltag abzulenken. Foto:Archiv
|
Sie ist so klein, daß es nur drei feststehende Gebäude gibt,
eines davon ist die Schule. Die Flüchtlinge, meist muslimer
Herkunft (sie bekommen die am wenigsten vorteilhaften
Unterkünfte) leben schon seit mehr als zwei Jahren in Zelten.
Es ist nie genügend Trinkwasser da und von einem eigenen
Zimmer, Kinobesuchen, Eis essen gehen können die Kinder dort
nur träumen." Orbinjan sei kein Einzelfall, so die Lehrerin.
Ein neuer Flüchtlingsstrom aus der "UN-Schutzzone" Srebrenica sei auf dem Weg. Unter den Augen der Vereinten Nationen sei der Krieg erneut entflammt mit Vergewaltigungen, Hinrichtungen, Inhaftierungen, Geiselnahmen. "In einem Stadion in Bratunac wurde alle über 6jährigen männlichen Bewohner Srebrinicas verhört und für ihre Kriegsverbrechen hingerichtet. Die Opfer dieses Krieges zu Verbrechern zu deklarieren, ist Wahnsinn und Völkermord", schließt Anette Zinser ihren Brief. Spenden sowie eigene Ersparnisse liefern die finan zielle Basis für die Arbeit der Gruppe. Oft komme das gemeinsame Spiel, das Einüben der gemeinsamen Aktionen ganz ohne Worte aus. Wenn nicht, helfe Englisch oder die sprichwörtlichen Erklärungen mit Händen und Füßen. Information: Verein "Recht auf Kindheit", Barbara Hipp, Telefon 06421/161519. |
||||
|
Die Atmosphäre ist spürbar gespannter
als bei unserem letzten Besuch im Juni.
Die Kinder von Luka II,
einem Stadtviertel im Osten
von Mostar, begrüßen uns
und wollen wissen, wann wir
mit ihnen die nächste "predstava" (Aufführung) machen.
Ich erzähle ihnen, daß Axelund ich derzeit in vielen
Flüchtlingslagern arbeiten
und vertröste sie auf August,
wenn Barbara und die anderen kommen und wir wieder
in Mostar arbeiten."
Die Kinder berichten Anette Zinser von fünf Granaten,
die vor zwei Tagen in ihrem Stadtviertel
niedergegangen seien. Die Gefahr von erneuten Angriffen der Serben
auf die halb muslimisch, halb
kroatische Stadt bestehe jederzeit, seit an vielen Fronten
wieder gekämpft werde,
meint Anette Zinser.
Der Fluß Neretva teile Mostar
wie eine "natürliche Berliner Mauer" in zwei Teile.
|
Der Fluß trenne Muslime und
Kroaten, Familie, Freunde
und ehemalige Nachbarn, erzählt Anette Zinser.
"Unserem Vorhaben, mit
Kindern aus Ost und West im
Sinne eines Brückenschlags
gemeinsam für die Aufführung des "Dschungelbuches"
zu trainieren und auch die Erwachsenen
zusammenzubringen, stellen sich derzeit noch
die Regierungen beider Seiten
entgegen. Wertvolle Zeit, die
wir lieber bei Spiel und Tanz
mit den Kindern verbringen
würden, geht so mit dem Ausfüllen
von immer neuen Formularen und fruchtlosen
Diskussion verloren."
Bis zum Oktober sei der
Kalender des Teams bis zum
Platzen gefüllt, berichtet Anette Zinser.
Nächster Einsatzort von "Recht auf Kindheit"
sei, auf Bitte des Amerikanischen Flüchtlings-Kommitees,
die Insel Orbinjan bei Sibenik.
Auf ihr sind etwa 700
Flüchtlinge und 100 Strafgefangene untergebracht,
schreibt die junge Frau.
|
|||||